Kommunale Galerie zeigt Lebenswerk von Hildegard Ochse
Hildegard Ochse interessierte sich nicht für das Schöne, sie mochte das Authentische. Berlin hasste und liebte sie, fand es schön und gleichzeitig hässlich, vor allem aber lebendig. „Wir haben viele Probleme, aber die werden nicht …
Hildegard Ochse interessierte sich nicht für das Schöne, sie mochte das Authentische. Berlin hasste und liebte sie, fand es schön und gleichzeitig hässlich, vor allem aber lebendig. „Wir haben viele Probleme, aber die werden nicht hinter einer schönen Fassade versteckt wie anderswo“, schrieb sie im Jahr 1985 über die Stadt, in der sie seit 1973 bis zu ihrem Tod im Jahr 1997 lebte. Ihre fotografischen Serien stellen ein Sinnbild für größere Zusammenhänge dar. Die Bilder von Menschen auf den Straßen Berlins sind eine symbolische Darstellung der Großstadt, die Isolation, Härte und Verzweiflung als einen Teilaspekt der Stadtkultur schildert.
Hildegard Ochse war 43 Jahre alt, als sie sich für eine professionelle Karriere als Fotografin entschied. Von 1975 an besuchte sie Fotografie-Kurse, später an Michael Schmidts berühmter „Werkstatt für Photographie“ in Berlin-Kreuzberg. Sie nahm dort an Workshops renommierter amerikanischer Fotografen teil, darunter Lewis Baltz, Ralph Gibson oder Larry Fink. In Deutschland veränderte sich in dieser Zeit der künstlerische Stellenwert von Fotografie, besonders nachdem auf der Kasseler Kunstausstellung „documenta 6“ im Jahr 1977 fotografische Arbeiten umfangreich ausgestellt worden waren.
Von 1981 an fotografierte Hildegard Ochse u.a. die „Großstadtkirchen“ für den Herder-Verlag oder die Mitarbeiter der Königlichen Porzellan-Manufaktur in Berlin. Die Ausstellung „Zwischen eigener Sicht und authentischer Realität“ beschäftigt sich mit der Entwicklung einer eigenen Bildsprache der Fotografin. Sie widmet sich den Serien, die unabhängig von kommerziellen Aufträgen entstanden sind, darunter die „Stadtvegetation“, „Gastland Bundesrepublik Deutschland“, „Aspetti di Berlino“ oder „Derental“. Die fotografischen Arbeiten von Hildegard Ochse reflektieren gesellschaftliche Strukturen und stellen Sinnbilder sozialer oder kultureller Zusammenhänge dar – in schwarz-weiß, ohne Verzerrungen und ohne ungewöhnliche Bildausschnitte.
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Hildegard Ochse ging es um die Darstellung von authentischer Realität und alltäglicher Lebenswirklichkeit. Sie war sich bewusst, dass Fotografien nicht nur ein Abbild der Wirklichkeit sind, sondern „inhaltlich und ästhetisch relevante Arbeit“ leisten sowie neue Sehweisen und Interpretationen liefern. Mit dieser Haltung, ihrer Themenwahl und Bildsprache steht sie der „Autorenfotografie“ sehr nahe. Der renommierte Kunsthistoriker und Kurator Klaus Honnef prägte den Ausdruck in den 1970er Jahren. Er bezieht sich damit auf Fotografen, die ihre Sicht auf die Wirklichkeit nach streng dokumentarischen Prinzipien wiedergeben, um eine authentische Realität im Foto zu schaffen. Über die Arbeiten von Hildegard Ochse schreibt Klaus Honnef an die Kuratorin der Ausstellung, Tina Sauerländer: „Meine damaligen Überlegungen zur Autorenfotografie treffen auf das Werk der Fotografin Hildegard Ochse mehr zu als auf die Werke der Kunstfotografie, die sich meinen Begriff völlig zu eigen gemacht hat.“